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Biodiversität im Garten

Ein Haus für Eidechsen

Von allen Tieren, die sich im Garten einfinden können, gehören Eidechsen zur liebenswerten Sorte. Mann muss kein Reptilienfan sein, um zu bemerken, dass sie sich relativ rasch an den Menschen gewöhnen und auch sonst für Wildtiere eher ungewöhnlich reagieren. So flüchten sie nie weit, sondern nur bis zu ihrem nächsten Versteck. Wenn man sich lange und bewegungslos dasteht kann es auch mal passieren, dass sie unseren Körper als Bestandteil ihrer natürlichen Umgebung betrachten.

Es ist kein Zufall, dass Eidechsen auf Bildern fast immer in die Kamera blicken! Leider wird ihnen genau dieses vertrauenswürdige Verhalten oft zum Verhängnis: Zahlreiche Beutegreifer stellen ihnen nach und vor allem Katzen Drachen mit Vorliebe auf. In Gärten sind sie daher oft selten anzutreffen, selbst wenn diese passenden Bedingungen bieten würden. In vielen Gebieten sind sie ganz verschwunden, weil intensive Bodenbearbeitung und mangelnde Verstecke ihnen das Leben schwer machen.

Das richtige Umfeld

Wer Eidechsen fördern möchte, sollte generell auf eine naturnahe Umgebung achten und auf Pestizide verzichten, auch im Hinblick auf die Futtertiere (verschiedene Insekten, Würmer und Spinnen). Dazu kommen eine schonende Bearbeitung des Bodens und das Verzichten auf Erdarbeiten im Winter – dann liegen die Eidechsen nämlich starr unter der Erde, entweder in selbst gegrabenen Löchern oder sie nutzen Mäusegänge. Vorsicht ist auch geboten, wenn Bretter als Wege genutzt werden: Eidechsen und besonders Blindschleichen nutzen diese Orte als Verstecke und laufen Gefahr, zerquetscht zu werden. Das Auflegen der Bretter auf Steine oder Querleisten kann dies verhindern. Ebenso können offene Wasserbehälter oder im Regen vergessene Kübel zur Todesfalle werden, da Eidechsen gerne springen und so in Gefässe geraten können. Falls es im Umfeld Ihres Gartens noch Eidechsen gibt, lohnt es sich daher auf jeden Fall, passende Verstecke anzulegen. Eidechsen sind recht mobil; sie entdecken geeignete Strukturen rasch und verhalten sich dann ortstreu. Damit sich die Eidechsen wohl fühlen, brauchen sie einerseits Versteckmöglichkeiten, anderseits offene Bereiche, an denen sie sich sonnen können. Dazu kommen bei Zaun- und Mauereidechse sandige, frei Stellen mit lockerem Boden, wo eine Eiablage möglich ist.

Verstecke und Wohnungen

Am erfolgreichsten hat sich der Bau mehrschichtiger Verstecke erwiesen. Dazu wird an einer vollsonnigen Stelle ein nach aussen flach verlaufendes, mindestens 50 cm tiefes Loch aus-gehoben, In dieses werden nun Steine oder Ziegel so gestapelt, dass genügend Zwischen-räume entstehen. Als Dach können grosse Steinplatten oder Dachziegel eingearbeitet werden, damit es darunter trocken bleibt. Bevor das Bodenniveau erreicht wird, werden Äste, Holzstücke und Wurzelstöcke aufgestapelt, sodass ein Hügel entsteht. Der Abschluss orientiert sich an die örtliche Gegebenheit. Sind viele Katzen unterwegs, ist eine letzte Schicht aus dornigen Ästen zu empfehlen. Hier sind auch die Abstände der unterschlüpfe von 1-1.5 m kürz zu halten. Solche Verstecke sind nicht nur für die Eidechsen sehr nützlich auch Kröten, Frösche und Insekten können hier Unterschlupf, Nahrung und neuen Lebensraum finden. Auch kleine Massnahmen können den Eidechsen helfen sich gefahrlos zu sonnen. Neben den klassischen Trockensteinmauern sind Holzstapel, Ziegelstein und grössere eingewachsene Holzstücke sehr beliebt. Für die Eiablage sollten kleinere Hügel aus Sand oder lockerer Erde angeboten werden. Gewaschener Sand ist ungeeignet, da es nicht klebt und Höhlen daher immer wieder einbrechen. Besser ist Sand mit etwas Erde zu mischen. Als Hilfestellung können kleinere, ganze flache Steine auf den Sand gelegt werden, unter denen die Weibchen gerne ihre Eier ablegen. Spannend sind auch die bei der Paarungszeit im Mai und Juni stattfindenden Balzkämpfe zwischen den Männchen. Wenn alles klappt, huschen im Hochsommer kleine Eidechsen durch die Beete im Garten und jagen das Ungeziefer. Ein Tipp noch zum Schluss. Wenn mit der Bohrmaschine kleine Löcher ins Holz gebohrt werden, finden Wildbienen einen Nistplatz.

Tipp von Daniel Brogle, Leiter Gärten, BBZ Arenenberg

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