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Bekannte Gärtner am Bodensee

Blaublütige Hobbygärtner und geweihte Botaniker

Gärtnern mit besten Aussichten, das geht hervorragend am Bodensee. Ein Hobby für jedermann, dem Grünzeug kein Dorn im Auge ist. Auch berühmte Persönlichkeiten haben über die Epochen hinweg mit ihrer Leidenschaft für Gärten Geschichten geschrieben. Vom blaublütigen Hobbygärtner bis zum geweihten Botaniker griffen so einige zur Harke.

Walahfrid Strabo

Walahfrid von der Reichenau, auch Strabo, der Schielende, genannt, hatte schon im frühen Mittelalter ein Auge auf den Kräutergarten geworfen. Am Bodensee geboren, lebte und wirkte er als Mönch lange im Kloster der Insel Reichenau.

Um 840, also lange vor Erfindung des Buchdrucks, verfasste Walahfrid dort das erste deutsche und eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters, den Liber de cultura hortorumso, kurz Hortulus. Inspiration zu diesem gereimten Pflanzenratgeber fand er im klostereigenen Kräutergarten. Seiner Liebe zu diesem grünen Örtchen haben wir das faszinierende und nützliche Lehrgedicht zu verdanken. In 24 Versen werden 24 Heilkräuter, Küchen- und Zierpflanzen samt Anbauhilfe und Wirkweisen beschrieben. Sogar die Pflanzenanlage des berühmten St. Galler Klosterplans aus dem frühen 9. Jahrhundert ist dem Sammelsurium des Hortulus entlehnt.

Heute kann man den Garten wieder besuchen: 1991 wurde der Kräutergarten nach Walahfrids Muster im ehemaligen Klostergarten des Münsters auf der Reichenau neu angelegt.

Napoleon III.

Der Neffe des berühmten Napoleon I. verbrachte einen Großteil seiner Jugend auf Schloss Arenenberg, das mit idyllischem Blick über den Untersee in der Gemeinde Salenstein liegt. Womöglich verdankte Napoleon III. seine Leidenschaft zum Gärtnern der fantastischen Aussicht auf die Insel Reichenau, die am gegenüberliegenden Bodenseeufer zu erspähen ist.

Wer als Gartenbauarchitekt für die Arenenberger Anlage in Frage kommt, ist nicht genau bekannt. Initiatorin für den wunderschönen Park aber war Louis Napoleons Mutter Hortense de Beauharnais. Ab 1834 gestaltete dann ihr Sohn zusammen mit Fürst Hermann von Pückler-Muskau den Park um und gab ihm sein heutiges Aussehen. Nach dem Tod seiner Mutter 1837 verkaufte Louis Napoleon das Anwesen, kaufte es jedoch 1855 als Kaiser unter dem Namen Napoleon III. zurück.

Heute können Besucher durch die original eingerichteten Gemächer des Schlosses ebenso wie durch die wunderschön gestaltete Parkanlage flanieren. Zwischen Springbrunnen, kaiserlicher „Lustgrotte“, einer Eremitage und eigener Schifflände gibt es jede Menge Garten zu entdecken.

Hermann Hesse

Als Hermann Hesse 1904 mit seiner Frau Mia nach Gaienhofen auf die Halbinsel Höri am Untersee zog, zählte das Dorf weniger als 300 Einwohner. Hier inspirierte das Lebensreform-Gedankengut Hesse zu einem großen Selbstversorgergarten.

Das ca. 9.000 Quadratmeter große Wiesen- und Acker-Grundstück bepflanzte er mit allerlei Bäumen, Nutzpflanzen und Blumen. Dort gedieh alles im Zeitgeist, der gerade en vogue war: ohne Pestizide, mit eigener Düngerproduktion und nach dem Kreislaufprinzip. Er betrieb sogar kleine Gartenfeuer, um mineralhaltige Asche zu gewinnen, die der Pflanzerde zugemischt wurde. Ökologischer geht’s nicht!

In Gaienhofen sind beide Wohnhäuser des Autors erhalten geblieben. Eines ist heute Teil des Hermann-Hesse-Höri-Museums.

Otto Dix

Selbst im Exil lässt sich Schönheit finden. Am Bodensee erst recht. Auch der berühmte Maler Otto Dix erlag trotz unglücklicher Umstände bald der idyllischen Schönheit der Halbinsel Höri am westlichen Bodensee. Dorthin hatte er sich kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten samt Familie zurückgezogen. Hier hoffte er, vor den Nazis sicher zu sein. Er fand nicht nur den erhofften Rückzugsort, sondern auch vielerlei Motive für die Leinwand.

Obwohl Dix selbst kein leidenschaftlicher Gärtner war, bildeten Haus und Garten der Familie dank Martha Dix eine harmonische Einheit. Sie und der gemeinsame Sohn Jan bepflanzten den Garten zwar als Laien, dafür aber mit Elan. Otto Dix streute lediglich seine Vorlieben für einige Gewächse mit ein. Liebevoll angelegt in Anlehnung an den so genannten Architekturgarten sowie an das Konzept des Wohngartens der Moderne war er für die Dixens ein Ort der Begegnung.

Das Haus in Hemmenhofen wurde 2013 als Museum Haus Dix neu eröffnet und kann zu den Öffnungszeiten besichtigt werden.

Graf Lennart Bernadotte

Die Liebe brachte den Stein ins Rollen: Graf Lennart Bernadotte verzichtete auf Prinzentitel und schwedische Thronrechte, heiratete die Bürgerliche Karin Nissvandt und siedelte 1932 in das Schloss der verwilderten Insel Mainau um. Weder das vernachlässigte Schloss noch der urwaldähnliche Park konnten den Grafen Bernadotte abhalten. Im Gegenteil, er widmete sich intensiv dem Gartenbau und erweckte die Insel zu neuem Leben.

Das Resultat ist ein Meer aus duftenden Blumen, exotischen Pflanzen und alten Baumbeständen. Das Schloss und ein Schmetterlingshaus krönen das botanische Gesamtkunstwerk. Noch heute strömen jährlich über eine Million Besucher in den Park.

Nachdem Graf Lennart 2004 im Alter von 95 Jahren starb, wandelte seine zweite Frau, Gräfin Sonja, die Mainau GmbH in ein generationenübergreifendes Familienunternehmen um, mit Tochter Gräfin Bettina als neuer Geschäftsführerin und Sohn Graf Björn in der Leitung der Lennart-Bernadotte-Stiftung. Die Blumeninsel ist ganzjährig von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für Besucher geöffnet.

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